Warum das wichtig ist
Stell dir für einen Moment vor, wir gehen zusammen im Park spazieren. Entspanntes Gespräch, gutes Wetter, dein Puls liegt irgendwo bei 60. Und dann springt aus einem Gebüsch ein großer Hund. Zähne gefletscht, direkt vor dir.
Dein Körper braucht keine Millisekunde. Adrenalin, Noradrenalin, Puls hoch, Atmung flach, Pupillen weit. Kämpfen oder fliehen. Der Besitzer greift ein, zieht den Hund zurück, die Leine spannt sich. Vorbei.
Jetzt setzen wir uns auf eine Parkbank und stellen eine Stoppuhr an. Gleicher Schreck, gleiche Situation, gleiche Sekunde. Die Frage ist: Wie lange brauchst du, bis du wieder ruhig bist?
Der eine ist nach fünf Minuten wieder da. Der andere sitzt eine Stunde später noch immer innerlich zappelig auf der Bank.
Und das ist keine Frage von mentaler Stärke. Es ist auch keine Frage davon, wer sich mehr zusammenreißt. Beim Abbau dieser Stresshormone spielt ein Enzym eine tragende Rolle: COMT. Katechol-O-Methyltransferase. Sperriges Wort, simple Aufgabe – es räumt hinter dem Stress wieder auf.
Von diesem Gen gibt es verschiedene Varianten. Schnell, langsam, ausbalanciert. Bei einem langsamen COMT bleiben die Stresshormone länger im System. Gleichzeitig bleibt aber auch das Dopamin länger da. Diese Menschen sind tendenziell gestresster – und tendenziell motivierter. Beides gehört zusammen. Es ist kein Defekt, es ist eine Bauweise.
Wenn wir alle dasselbe COMT hätten, müssten wir alle gleich schnell herunterkommen. Tun wir aber nicht.